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  • Tierärztliche Praxis
  • Tierphysiotherapie Dr. Cornelia Keune
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Impfungen – so oft wie nötig, so wenig wie möglich

Hiermit möchten wir Ihnen einmal einen kurzen Überblick über die Impfungen für Hund, Katze und Kaninchen geben und die aktuellen Impfempfehlungen der Bundestierärztekammer vorstellen, die für alle Tierärzte als Grundlage zur Umsetzung in der Praxis dienen.
Grundsätzlich gilt für jedes Tier eine vollständige Grundimmunisierung als Voraussetzung für den optimalen Impfschutz, da die Auffrischungsimpfungen hierauf aufbauen. Die Impfung Ihres Tieres bedeutet einen aktiven Beitrag zum Tierschutz, denn um den seuchenhaften Ausbruch einer ansteckenden Krankheit mit schweren Folgen wie beispielsweise ein Massensterben unter den Tieren zu verhindern, müssen mindestens 70% aller Tiere einer Population durchgeimpft sein.
Bei den Impfungen wird zwischen sog. Core- und Non-Core-Komponenten unterschieden. Die Core-Komponenten (“Kernimpfung”) richten sich gegen Erreger, gegen die jedes Tier zu jeder Zeit geschützt sein soll. Non-Core-Komponenten werden dann hinzugenommen, wenn das Tier mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Erreger trifft, gegen den diese Komponente gerichtet ist. Sie sind also nicht für jedes Tier zu jeder Zeit gleich wichtig. Bitte sprechen Sie uns an, welche Impfungen für Ihr Tier infrage kommen können, wir beraten Sie gerne!

Hund

Ganz wichtig für Hunde ist die Impfung gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Leptospirose und Tollwut (Core-Komponenten). Gegen diese Krankheiten soll jeder Hund zu jeder Zeit geschützt sein. Weitere wichtige Impfungen umfassen den Schutz vor Zwingerhusten und Borreliose (Non-Core-Komponenten). Seit Anfang 2000 ist die Komponente gegen Zwingerhusten routinemäßig in dem Kombinationsimpfstoff der essentiellen Impfungen mit aufgenommen worden. Seitdem beobachten wir einen Rückgang der schweren Hustenerkrankungen bei Hunden. Die Borreliose-Impfung ist dann sinnvoll, wenn der Hund viel im Wald unterwegs ist und viele Zecken hat.
Die Grundimmunisierung beginnt im Alter von 8 Wochen mit der ersten Impfung gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Leptospirose und Zwingerhusten. Mit 12 Wochen werden diese Komponenten aufgefrischt und können jetzt frühestens mit der Tollwut-Impfung kombiniert werden. Nach den neuesten Impfempfehlungen wird diese “große” Impfung (Sechsfach-Impfung) nach der 16. Lebenswoche wiederholt. Die Auffrischung der großen Impfung ein Jahr später gehört zur Grundimmunisierung dazu, so dass im Anschluss daran in den Folgejahren für die unterschiedlichen Krankheiten verschiedene Impfintervalle wahrgenommen werden können.
Bevor der Hund gegen Borreliose geimpft wird, wird zunächst das Blut untersucht, ob er sich eventuell schon infiziert hat. Verläuft der Test negativ, wird zweimal im Abstand von 4 Wochen geimpft, optimalerweise im Frühjahr. Dann erfolgt eine Auffrischung im Herbst und im nächsten Frühjahr, danach wird jährlich geimpft.

Katze

Essentiell für die Katze ist die Impfung gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche, bei Freigängern zusätzlich auch die Tollwut-Impfung (Core-Komponenten). Auch hier wird im Alter von 8 Wochen mit der Grundimmunisierung begonnen, dann noch ohne Tollwut-Komponente. Mit 12 und 16 Wochen wird diese Impfung aufgefrischt und bei Bedarf, wenn die Katze nach draußen gehen darf, mit Tollwut kombiniert.
Eine weitere sinnvolle Impfung richtet sich gegen die Leukose (Non-Core-Komponente). Sie ist wichtig für Katzen, die mit vielen anderen Katzen in Kontakt kommen. Das ist bei Freigänger-Katzen der Fall, aber auch bei Katzen, die häufig in Katzenpensionen Urlaub machen oder viel auf Ausstellungen unterwegs sind. Ist die Katze bisher noch nicht gegen Leukose geimpft, wird vorher ein Bluttest durchgeführt und festgestellt, ob sie dieses Virus bereits in sich trägt. Wenn das nicht der Fall ist, kann geimpft werden, und zwar zweimal im Abstand von vier Wochen. Im Anschluß daran erfolgt eine jährliche Auffrischung.
Impfungen gegen Bordetella bronchiseptica und Chlamydien (Erreger, die mitbeteiligt sind am Katzenschnupfen-Komplex) können in größeren Beständen (z. B. Katzenzuchten), wo es häufig zu Problemen kommt, sinnvoll sein. Die Impfung reduziert lediglich die Symptome, verhindert aber nicht die Infektion.
Gegen die FIP (feline infektiöse Peritonitis) kann man intranasal impfen. Diese Impfung ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn die Katzen bisher keinen Kontakt zu den Viren hatten, weshalb vorher ein Bluttest durchgeführt werden muss. Es wird zweimal im Abstand von 3 Wochen mit anschließender jährlicher Auffrischung geimpft. Unter Tierärzten ist diese Impfung umstritten, da ihr Nutzen nicht eindeutig belegt ist.

Kaninchen

Kaninchen sollen generell gegen die Myxomatose und die RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease) geimpft werden (Core-Komponenten). Geimpft werden kann ab der 4. bis 6. Lebenswoche, dann jedoch noch nicht gleichzeitig beide Impfungen an einem Tag. Bei den Impfintervallen kommt es auf den lokalen Infektionsdruck an, also wie stark das Virus in der Wildkaninchenpopulation der Gegend vertreten ist. Hier in unserer Gegend leiden die Wildkaninchen stark unter der Myxomatose, diese wird daher zweimal im Abstand von vier Wochen und im Anschluß halbjährlich geimpft. Derzeit gibt es einen neuen RHD-Virusstamm, das sogenannte RHD-2-Virus. Dieser zieht seit letztem Jahr von Süden und Osten kommend über Europa und ist in diesem Sommer auch in Deutschland und hier im Rhein-Main-Gebiet angekommen. Die Folge ist ein seuchenhaftes Sterben unter Wildkaninchen und unzureichend geimpften Hauskaninchen. Es gibt einen speziellen Impfstoff gegen das RHD-2-Virus, der allerdings in Deutschland nicht zugelassen ist und nur unter speziellen Auflagen bestellt und geimpft werden kann. Unser Impfstoffhersteller hat uns bereits letztes Jahr auf das Vorkommen dieses neuen Virus hingewiesen und dringend die halbjährliche Impfung des RHD-Impfstoffes empfohlen, da in diesem Fall eine Kreuzimmunität gegen das RHD-2-Virus erreicht wird. Das ist der Grund, weshalb wir bereits seit letztem Jahr auch die Impfung gegen RHD bei Erstimpfung nach 3-4 Wochen auffrischen und anschließend halbjährlich wiederholen und wir können berichten, dass wir bisher weder Krankheits- noch Todesfälle bei gut durchgeimpften Kaninchen in unserem Kundenstamm hatten.
Weiterhin kann gegen Kaninchenschnupfen geimpft werden (Non-Core-Komponente). Diese Impfung macht jedoch nur in großen Kaninchenbeständen Sinn, da sie die Reduktion des Infektionsdrucks zum Ziel hat, der in kleinen Gruppen ohnehin sehr niedrig ist. Geimpft wird zweimal im Abstand von 14 Tagen und im Anschluß alle 6 Monate.